Zeiterfassung

Lohnstunden

Lohnstunden sind alle Arbeitsstunden, die ein Handwerksbetrieb einem Mitarbeiter bezahlt – unabhängig davon, ob sie einem Kundenprojekt zugeordnet werden können.

Zeiterfassung3 Min. LesezeitHandwerks-Glossar

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Was sind Lohnstunden?

Lohnstunden sind alle Arbeitsstunden, die ein Handwerksbetrieb einem Mitarbeiter bezahlt – unabhängig davon, ob sie einem Kundenprojekt zugeordnet werden können oder nicht. Sie umfassen also sowohl <GlossaryLink slug="produktivstunden">Produktivstunden</GlossaryLink> (fakturierbare Arbeit) als auch alle unproduktiven Zeiten wie Rüstzeit, Fahrten, Werkstattarbeit, Besprechungen, Krankheit, Urlaub, Fortbildung und Feiertage.

Lohnstunden bilden die Grundlage für die Lohnabrechnung und – noch wichtiger – für die Berechnung des <GlossaryLink slug="stundenverrechnungssatz">Stundenverrechnungssatzes</GlossaryLink>. Wer bei der Kalkulation Lohnstunden mit Produktivstunden verwechselt, kalkuliert automatisch zu billig und verliert bei jedem Auftrag Geld.

Zusammensetzung der Lohnstunden

Ein typischer Jahresvergleich für einen vollzeitangestellten Gesellen:

  • Jahresarbeitszeit brutto: ca. 2.080 h (52 Wochen × 40 h)
  • Feiertage: -80 h
  • Urlaub: -240 h (30 Tage à 8 h)
  • Krankheit (Durchschnitt): -80 h
  • Fortbildung/Unterweisung: -30 h
  • Werkstatt-, Rüst-, Fahrzeiten: -180 h

Bleiben etwa 1.470 Produktivstunden von 1.650 Anwesenheitsstunden – der Rest sind unproduktive Lohnstunden, die der Betrieb trotzdem bezahlt.

Die Lohnkosten müssen aber vollständig auf die produktiven Stunden umgelegt werden, wenn der Betrieb rentabel arbeiten will.

Praxisbeispiel

Ein Zimmereibetrieb kalkuliert den Stundenverrechnungssatz. Vereinfacht:

  • Jahresbruttolohn eines Gesellen: 42.000 €
  • Arbeitgeberanteil Sozialversicherung ca. 20 %: 8.400 €
  • Effektive Lohnkosten pro Jahr: 50.400 €
  • Lohnstunden: 1.650 h
  • Produktivstunden: 1.470 h

Wer die Lohnkosten auf die 1.650 Lohnstunden umlegt, kommt auf 30,55 €/h – rechnet aber viel zu billig. Korrekt: 50.400 € / 1.470 h = 34,29 €/h reine Lohnkosten. Auf diese Basis kommen dann Gemeinkosten, Wagnis, Gewinn.

Zusammenhang mit Meisterio

Meisterio unterscheidet konsequent zwischen Lohnstunden und Produktivstunden. In der Zeiterfassung wird jede Stunde einer Kategorie zugeordnet (Baustelle vs. Werkstatt vs. Ausfall). Die Berichte zeigen für jeden Mitarbeiter Lohnstunden, Produktivstunden und die Produktivquote. Diese Daten fließen in die Berechnungshilfe für den Stundenverrechnungssatz und in die <GlossaryLink slug="nachkalkulation">Nachkalkulation</GlossaryLink> jedes Projekts.

Häufige Fehler

  • Lohnstunden mit Produktivstunden gleichsetzen – der Klassiker in fehlerhafter Kalkulation.
  • Ausfallzeiten unterschätzen – Krankheit, Urlaub, Fortbildung schwanken jahresweise. Realistische Werte aus mehrjähriger Statistik nehmen.
  • Sozialversicherung vergessen – 20 % Arbeitgeberanteil ist Standard. Wer den Bruttolohn 1:1 rechnet, verliert 20 %.
  • Keine Trennung pro Mitarbeiter – ein Auszubildender kostet weniger als ein Meister. Für saubere Kalkulation individuell rechnen oder gewichtete Durchschnitte bilden.
  • Kein Update – Lohnkosten und Produktivquoten ändern sich jährlich. Der Stundenverrechnungssatz gehört jedes Jahr neu berechnet.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Lohnstunden und Arbeitsstunden? Umgangssprachlich synonym. Fachlich meint „Arbeitsstunde" oft nur die reine Tätigkeit, „Lohnstunde" die vom Arbeitgeber bezahlte Zeit inklusive Ausfallzeiten (Urlaub, Krankheit).

Muss ich Lohnstunden getrennt erfassen? Für die Buchhaltung reicht die Gesamtsumme. Für die Kalkulation und das <GlossaryLink slug="projektcontrolling">Projektcontrolling</GlossaryLink> ist die Aufteilung nach Kategorien Pflicht.

Wie unterscheiden sich Lohnstunden bei Vollzeit und Teilzeit? Proportional: Ein Teilzeitmitarbeiter mit 20 h/Woche hat etwa halb so viele Lohnstunden wie ein Vollzeitmitarbeiter – bei ähnlicher Produktivstundenquote.

Was fällt unter „unproduktive Lohnstunden"? Alles, was zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit dient, aber nicht direkt einem Kundenauftrag zugeordnet werden kann: Werkstattzeit, Fahrten (außer Regie), interne Besprechungen, Angebotserstellung, Ausfallzeiten.

Wie erkenne ich, ob meine Produktivquote gut ist? Vergleich mit Branchendurchschnitten (65–80 %) und mit den eigenen Vorjahreswerten. Sinkende Quote ist immer ein Warnsignal.

Kann ich Lohnstunden reduzieren, ohne Mitarbeiter zu entlassen? Ja – durch bessere Organisation der unproduktiven Zeiten: kürzere Werkstattzeiten, optimierte Touren, digitalisierte Verwaltung. Jede eingesparte unproduktive Stunde erhöht die Produktivquote.

Checkliste

  • Jährliche Kalkulation Lohnkosten pro Mitarbeiter (inkl. Sozialversicherung).
  • Realistische Produktivstundenzahl pro Jahr (aus Ist-Daten).
  • Klare Trennung zwischen Lohn- und Produktivstunden im System.
  • Stundenverrechnungssatz jährlich anpassen.
  • Auswertung von Ausfallzeiten (Krankheit, Fortbildung).

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